Krücken? – Nein, es heißt Gehhilfen!

Krücken? – Nein, es heißt Gehhilfen!

Nachdem ich mir das erste Mal das Knie verdreht hatte und infolgedessen in Behandlung war, wurden mir vom Arzt ein paar Krücken zur Verfügung gestellt, zumindest nannte ich sie bisher immer so. Als ich allerdings das Wort „Krücken“ aussprach, schallte es sofort von der ambitionierten Krankenschwester herüber: „Das sind keine Krücken, sondern Gehhilfen!“. Diese schrille, zugleich aber auch einprägsame Aussage begleitet mich bis heute und in klugscheißerischer Art verwende ich sie natürlich bei jeder Gelegenheit. Ich selbst nutze jedoch weiterhin das Wort Krücken – schon aus Protest gegenüber der keifenden Schwester.

Für die meisten ist dieses Hilfsmittel vollkommen normal und kaum einer macht sich wirklich Gedanken darüber. Dennoch fiel mir im Laufe der Jahre auf, dass es doch einige Fragen hinsichtlich der Gehhilfen (nun nenne ich sie doch mal so) gibt. Nachfolgend versuche ich einige davon zu beantworten. Natürlich alles nur in Hinblick auf meine Verletzungen und Erfahrungen.

Wann benötigt man Krücken?

Diese Frage ist in Verbindung mit dem Kreuzbandriss nicht leicht zu beantworten. Ich selbst konnte direkt nach meinen Kreuzbandrissen stets noch laufen. Natürlich unter Schmerzen und nicht wirklich grazil, dennoch war es definitiv auch ohne Krücken möglich. Da es aber zur Entlastung des verletzten Beines diente, nutzte ich – auch auf Grund der „nachhaltigen“ Empfehlungen der Ärzte – die Krücken trotzdem (zumindest in der Öffentlichkeit).

Das man nach der Operation eine Gehhilfe benötigt, steht wohl außer Frage. Auch hier war es mir nach kurzer Zeit schon möglich ohne Krücke zu laufen, allerdings sah das aufgrund der verminderten Beugefähigkeit sehr lustig aus und diente nicht wirklich dem Genesungsprozess(siehe Abschnitt „Ab wann …“).

Generell möchte ich aber an dieser Stelle dazu raten den Vorgaben der Ärzte Folge zu leisten. Nicht nur weil sie es wissen sondern auch in eurem eigenen Interesse. Es mag zwar für Aufsehen im Bekanntenkreis sorgen, wenn der frisch Verletzte / Operierte schon wieder ohne Krücken rumspaziert, aber ob es dann noch cool ist, wenn sich genau aus diesem Grund die Heilung verzögert oder schlimmstenfalls eine erneute OP notwendig ist, mag ich zu bezweifeln.

Woher bekommt man Krücken?

Bei meinen Verletzungen bzw. nach den OPs hab ich die Krücken jeweils vom Arzt oder dem Krankenhaus bekommen. Allerdings nur die Standard-Versionen ohne Extras. Wer mehr Komfort möchte, hat natürlich auch die Möglichkeit sich selbst welche zu besorgen. Hier sind meiner Meinung nach Sanitätshäuser die beste Wahl, da man die verschiedenen Produkte testen kann und dabei von Fachpersonal beraten wird. Alternativ gibt es auch Krücken und diverses Zubehör in vielen Online-Shops – allen voran ist hier natürlich Amazon zu nennen.

Wer bezahlt die Krücken?

Bei meinen Kreuzbandrissen musste ich für die Krücken jeweils eine Zuzahlung in Höhe von 5€ leisten, den Rest zahlte die Krankenkasse. Hier handelte es sich aber nur um Standard-Modelle, also nichts Besonderes. Wer was Besseres haben möchte muss selber zahlen. Interessant wäre natürlich, ob es möglich ist auch hier – in Hinsicht auf die ergonomische Korrektheit und die dadurch verbesserten Heilungsmöglichkeiten etc. – die Kostenübernahme durch die Krankenkasse zu erfragen. Auch bei Zubehör wie Griffpolstern oder Spikes für den Winter wäre es interessant zu wissen.
Aktuell ist es bei meiner Krankenkasse so, dass eine Zahlung von 10% des Preises selbst getragen werden muss, wobei mindesten 5€ und maximal 10€ als Grenzwerte gelten. Soweit ich weiß, ist das bei den meisten Krankenkassen gleich. Zuzahlungsbefreiungen habe ich hier allerdings außen vor gelassen.

Ab wann kann ich auf Krücken verzichten?

Auch wenn ich persönlich mich nicht daran gehalten habe und bereits kurze Zeit nach den Operationen nur mit einer bzw. ganz ohne Krücken gelaufen bin, empfehle ich ausdrücklich die Vorgaben des Arztes einzuhalten. Die Jungs in Weiß wissen schon was sie machen (also meistens) und die Behandlungspläne sind nicht aus lieber langer weile entstanden.

Und noch als kleine Warnung für alle die auch ganz toll sein wollen und auf die Krücken so schnell wie möglich verzichten möchten. Ich hab mir damals aufgrund dessen eine unnatürliche Gangart angewöhnt und es dauerte wirklich sehr lange bis ich mir diese wieder abgewöhnen konnte. Kleine Sünden usw..

Welche Hilfsmittel gibt es für Krücken?

Vom Griffpolster über Tragegurt bis hin zum Transporthelfer gibt es eine ganze Menge an mehr oder weniger nützlichen Hilfsmitteln für Krücken. Die meisten sind natürlich eher für die Menschen gedacht, welche die ganze Zeit auf Krücken angewiesen sind, also eher nicht für uns Ottonormalkreuzbandrissopfer. Trotzdem habe ich auf der Seite Krücken & Zubehör eine Übersicht erstellt, damit man mal einen kleinen Überblick erhält.

Fazit

Bei Verletzungen wie dem Kreuzbandriss sind Krücken vollkommen normal und kaum einer macht sich tatsächlich Gedanken darüber. Dass es aber doch einige Fragen gibt, welche beantwortet werden wollen, zeigt dieser Artikel. Nach anfänglichen Bedenken ob ich überhaupt einen Beitrag dazu schreibe, hat es sich letztendlich zum Selbstläufer entwickelt und der Artikel wurde länger als geplant. Ich hoffe ich konnte einige Fragen beantworten.


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2 Kommentare

[…] man erst einmal nicht mehr so sicher auf den Beinen, gibt der Gehstock oder die Krücke wieder Sicherheit. Dass der Gehstock selbst jedoch nicht immer die beste Figur macht, fiel dem […]

Ich hatte eine Bewegungsschiene zum schonenden Bewegen des operierten Gelenkes. Ich glaube mit Gehhilfen tut man sich keinen Gefallen, da man quasi nichts zur Besserung beiträgt und den Status quo akzeptiert..

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